Blog von Evelin Scheuble:

November 2020

Liebe Rosenfreunde
Die Rosensaison geht unweigerlich zu Ende, aber immer noch kann man sich im
milden Kanton Thurgau über einzelne Blüten erfreuen.

Im Laufe des Sommers 2020 erschienen hier bereits zwei von vier
vorgesehenen Blogbeiträgen:
«JULI – Rosenschnitt» und «SEPTEMBER – Rosenschnitt»
(Beide sind fürs Jahr 2021 archiviert)

Je nach Gegenden und nach den verschiedenen Winterhärten der Rosen kann
man den Winterschnitt über den 1. November hinauszögern oder
eben wegen Schnee und Frost nach vorne verschieben.

Die «Saftwaage»

Der Winterschnitt im November ist nicht so radikal wie der Frühlingsschnitt
im April. Im Grunde versucht man durch das Auslichten und Kürzen der Rosen
nur die sogenannte «Saft-Waage» der Pflanze auf einem niedrigeren
Stand auszugleichen.

Bis im Dezember scheint die Sonne ja täglich immer kürzer und nur schwach
aus einem tieferen Stand und so zieht die Rose weniger Nährstoffe aus dem Boden.
Die flüssige Nährstoffsäule in den Bodentrieben, die unten am Boden von der
Veredelungsstelle ausgehen, pendelt sich ganz von selbst auf einen
niedrigeren Druck ein. Deshalb kann man ohne weiteres den Rosenstock auf die
halbe Höhe kürzen. Das heisst im November zuerst einmal alles obere
Blattwerk und Verblühtes wegschneiden.

Sobald aber die Sonne im Frühling länger und intensiver scheint, zieht sie täglich
kräftiger an der flüssigen Nährstoffsäule im Inneren der Pflanze. Und wenn man im
Herbst die Rose gar nicht gekürzt hat, zieht die Aprilsonne deshalb den Saft hoch
bis in die letztjährigen, womöglich langen, dünnen Triebe. Wenn der Hobbygärtner
das merkt, kürzt er sie verspätet, aber immer noch zu weit oben – jedenfalls,
wenn es um das Erneuern des Rosenstockes geht.

Die Sonne steht dann ab April jeden Tag höher, erwärmt jeden Tag intensiver
den oberen Teil der Rose und zieht dadurch immer stärker an der flüssigen
Nährstoffsäule. Dass die Nährstoffsäule trotz Schwerkraft hochgesogen wird, liegt
an dem zunehmenden, sogenannten «Transpirieren» der oberen Blattetage.
Durch das Verdunsten von Flüssigkeit nach Oben entsteht in den Stängeln ein
Unterdruck mit Sogwirkung, was wiederum einen automatischen Nachschub von
unten nach oben ergibt.
Deshalb setzt sich das Wachstum bei Wärme und Sonnenlicht richtig in Gang.

Diese letztjährigen, ungekürzten Rosenstiele reagieren viel zu weit oben – die Rose
blüht schnell und im Verhältnis zu den dünnen Stielen zu schwer.
Wenn sie fertig geblüht hat, sollte man deshalb mutig Verblühtes weit unten
abschneiden, um den voll im Saft stehenden Rosenstock zur zweiten Blüte anzuregen.
Das vergisst man aber leicht, wenn man keinen noch so lockeren Rosenplan vor
Augen hat. Die alten Blüten bleiben dadurch zu lange stehen oder hängen, was
unweigerlich zur Verlegenheitsblüte unterhalb der Juniblüte führt.
Das verzögerte und zögerliche Schneiden ergibt oft schon von Frühlingsanfang an
einen überhängenden, dünnstieligen Rosenstock, mit dem man im Laufe des Sommers
nicht mehr so recht weiter weiss.
Dabei könnte er im Juni, im August und sogar im Oktober nochmals blühen.

Der Winterschnitt  

Es ist kein grosses Unglück, wenn im Oktober die letzten Knospen und
Abschiedsblüten einmal am Stock einfrieren, aber es ist ein sicheres Zeichen
dafür, dass wir spätestens jetzt mit der Schere aktiv werden müssen.
Denn wenn man erst im feuchten Herbstwetter die Rosen schneidet, haben
Krankheitskeime leichten Eintritt durch die Schnittstellen.
Nicht zuletzt werden sie von unserer eigenen Schere übertragen.
Sie sollte deshalb ab und zu mit Alkohol desinfiziert werden. Mindestens vor,
aber besonders nach der Winterlagerung. Viren, zum Beispiel, verhalten sich
bekanntlich unberechenbar. Mangels reinen Alkohols tut es auch ein Feuerzeug.

Je nach «Rosen-Modell» kürzen wir die vom Sommer noch vorhandenen
Bodentriebe auf etwa halber Höhe runter. Wenn mehr als 5 Bodentriebe übrigbleiben,
sollte man sich noch von 1 – 2 weiteren Trieben trennen und zwar so, dass
voraussichtlich die Mitte der Rose nächstes Jahr offen und luftig bleibt.
Natürlich hat die Rose, je nach ihrem persönlichen Wuchs das letzte Wort,
aber sie richtet sich nur zu gerne nach unseren jährlichen Korrekturen.
Das wird – über die Jahre hinweg – die eigene Erfahrung bestätigen.

Wer seine Rose von Anfang an gut behandelt, wird von ihr immer aufs Neue
durch ihre verborgenen Trieb-Augen beschenkt.

Die «Augenwinkel»

So lange die Fünffingerblätter noch an den etwa 4 bis 5 Bodentrieben der Rose
haften, ist es leicht die nächstjährigen 4 bis 5 Augen auf jedem Trieb abzuzählen.
Bei jedem Blattansatz – direkt am Stiel, versteckt sich im Blattwinkel ein Auge –
quasi im «Augenwinkel». Ist man aber spät dran mit dem Winterschnitt, sind die
untersten Blätter bereits abgefallen und man muss als Neuling etwas länger nach
den «Augenwinkeln» suchen. Nach dem Blattverlust erkennt man nämlich nur
undeutlich die übriggebliebenen dünnen Striche, die halbwegs rings um die
Bodentriebe reichen. Hier hafteten den ganzen Sommer die Fünffingerblätter –
einmal links, einmal rechts, in etwa 5 cm Abstand. Je nach Rosensorte.
Beim Schneiden heisst es also die 5 Bodentriebe von allen Seiten zu betrachten und
auf jeden von ihnen je 5 bis 8 Augen stehen zu lassen. Einmal links, einmal rechts
vom Boden abgezählt. Geschnitten wird mit einer scharfen, sauberen Schere, da
mikrobisch kleine Krankheitserreger gerne von Rose zu Rose übertragen werden.
Den «sauberen» Winterschnitt kann man entweder direkt über das gewünschte,
oberste Auge platzieren oder bis zu einen cm darüber. Beim Winterschnitt spielt das
nach meiner Meinung keine Rolle. Ich überlasse zum Beispiel gerne Vater Frost den
oberen Zentimeter, wenn er mir im Frühling dafür meine tiefer liegenden
4 bis 5 Augen übriglässt. Denn erst im Frühling kommt es auf jedes Auge an.

Bodendecker / Beet Rosen, so wie “The Fairy”, gezüchtet 1932, sind am Anfang
nur etwa 40 cm hoch. Bei ständiger sommerlicher Schnittpflege, können sie sich
bis auf 80 cm erheben. Auch sie bekommen nach der letzten Oktoberblüte einen
geraden Schnitt auf ungefähr halber Höhe, heisst etwa 40 cm. Alle noch vorhandenen
Herbst-Knospen müssen bei den Bodendecker – / Beet Rosen entfernt werden, denn
die steigende Nährstofflösung stoppt im Frühling sowieso ihren Weg unterhalb
allem Verwelktem. Sie versorgt nur die tiefer stehenden, dafür lebenstüchtigen
«Augen». Das ergibt erst einmal ein deprimierendes Gesamtbild. Auf diese Weise
besetzen nämlich die letztjährigen, verfaulten «Mumien» (verrottete Blüten) im
Frühling immer noch die obersten Plätze und schirmen dadurch das Sonnenlicht
(und unseren Augenschein) von den darunterliegende neuen Knospen und Blüten ab.
Alles Verwelkte hätte spätestens im November entfernt werden sollen. Auch zum
Schutze der Pflanzen gegenüber Krankheiten, ausgehend von verfaulten «Mumien»,
die bereits unter den Rosenstöcken liegen. Meistens bemerkt es der Hobbygärtner
im sonnigen April und greift dann zur Schere.

Die Edelrosen erreichen manchmal erstaunliche Höhen, aber es handelt sich
dabei meistens nur um die langstieligen Rosenblüten.
Der Rosenstock selbst mit seinem Blattwerk wird nur etwa 60 bis 80 cm hoch.
Trotzdem werden die langen, verblühten Rosenstiele beim Winterschnitt auf gleicher
Höhe wie der Rosenstock selbst gekürzt. Immer noch von der Veredelungsstelle
ausgehend und immer noch im Hinblick auf die «Saftwaage».

Wenn es sich jetzt beim Winterschnitt um diesjährige Neupflanzungen handelt,
wäre ich zurückhaltend mit der Schere. Lieber abwarten, wie die neuen Rosen auf
ihrer neuen Umgebung und auf den kommenden Winter reagieren. Ich würde neue
Rosenstöcke nur ein wenig stutzen. Das heisst alle 3 bis 4 Bodentriebe auf gleicher
Höhe (siehe «Saft-Waage») vorsichtig kürzen. Wenn sie noch nicht stark entwickelt
sind, sogar für den Winter mit Tannenreisig abdecken, zusätzlich zu der 15 cm
hohen Erdanhäufung über der Veredelungsstelle.

Auch beim ersten Frühlingschnitt braucht es bei Neupflanzungen grössere
Aufmerksamkeit. Allein schon wegen Düngung und wegen Vorbeugung gegen
Krankheiten. Bitte nicht mit zusätzlichem Wässern verwöhnen wollen, weil die
Kapillarwurzeln dadurch verfaulen können und weil die Rose lernen muss auf
«eigenen Wurzeln» zu stehen. Feuchtigkeit fördert den falschen Mehltau.
Trockene, heisse Tage hingegen den echten Mehltau. Knoblauchwasser,
Marke Eigenbräu, aus einer handelsüblichen  Sprühflasche wirkt oft
vorbeugend gegen beide Krankheiten.

Strauchrosen werden beim Winterschnitt nur gestutzt. Sie wollen ja Sträucher
bleiben. Dennoch sollte man es unbedingt wagen, altes und längst verdorrtes
Holz direkt an der Veredelungsstelle abzuschneiden. Auch dann, wenn nur
3 kräftige Bodentriebe übrigbleiben. Die Hoffnung ist ja immer, wie beim
Rosenzüchter, dass aus der Veredelungsstelle durch den erhöhten Saftdruck
(weil nur 3 Triebe stehen gelassen wurden) ein paar tolle, rötliche «Glückstriebe»
hochtreiben. Ein Zeichen, dass der unterirdische Nährstoffgehalt stimmt, also nicht
zu konzentriert ist für die betreffende Rose. Wenn zum Beispiel beim Pflanzen
konzentrierter Kunstdünger verwendet wurde statt getrocknetem Kaffeesatz,
zerkleinerten Bananenschalen, gesiebtem Kompost und feinem Hornmehl, muss
man nicht staunen, wenn die Rose trotzdem nicht gedeiht. Der Rosenstock stellt
einen geschlossenen Kreislauf dar – ein geschlossenes System – und die flüssige
Nährstoffsäule funktioniert von unten nach oben und wieder von oben nach unten.
Das ist Physik für Fortgeschrittene, aber nur so viel: Das Rosensystem hat, oder
sollte haben, einen höheren Salzgehalt als sein Heimatboden. Nur so kann die
Rose durch ihre mikromillimeterkleinen Kapillarwurzeln die Nährsalze der Erde
aufnehmen und verdünnt nach oben ins Blattwerk schicken. Ist der Boden
übersalzen, die Nährstofflösung also konzentrierter als das Innenleben der Rose
– zum Beispiel durch Kunstdünger – dann machen die Kleinstwurzeln dicht.
Auch die Kleinsttierwelt im dunklen Erdreich wird gestört.

Bei Rosenbäumchen, speziell Neupflanzungen, wird im Winter nur von aussen
kosmetisch eingegriffen. Erfahrene Hobbygärtner gehen eventuell jetzt schon in
die Tiefe von älteren Rosenkronen, damit auch hier im Laufe des Winters nicht
unnötige Energie in überflüssige Triebe geschickt wird, die beim wuchstreibenden
Schnitt im Frühling sowieso weichen müssen.

Es ist ratsam die noch leichten Kronen von neuen Rosenbäumchen mit einer
dünnen Vliespackung zu schützen. Im September-Blogbeitrag wurde beschrieben,
dass die Veredelungsstelle der Rosenbäumchen direkt unter der Krone sitzt.
Demnach wird sie automatisch im Vlies mit eingepackt und geschützt.
Das passiert sobald man sich im November von der Restblüte trennen kann –
unbedingt vor stärkerem Frost. Ich selbst habe meine früheren Rosenbäumchen
nie eingepackt und nie eines verloren. Aber das waren winterharte Sorten wie
«Aprikola», «Bonica 82» und «Snow Ballet».

Auch Kletterrosen werden, wenn man sie durch den Sommerflor gepflegt hat,
zum Winter hin nur passend gekürzt. Lange, rote, willkommene «Glückstriebe»
werden (und wurden hoffentlich) im Laufe des Sommers gegen verholzte, alte
Triebe ausgetauscht und mit in die Kletterhilfe eingeflochten. Auch die Glückstriebe
müssen passend gekürzt werden, sonst wachsen sie unaufhaltsam himmelwärts.
Die Kletterrose muss insgesamt zurückgehalten werden, damit sie sich der
Kletterhilfe anpasst und sich nicht selbstständig macht. Also die Bodentriebe, die
etwa 3 m lang sind, müssen auf etwa 3 Stück reduziert werden. Dafür werden die
Seitentriebe auf Halbmeter-Längen eingekürzt und mit eingeflochten.
Indem man immer wieder einzelne verblühte Rosen herausschneidet, wird den
ganzen Sommer für Blüte gesorgt. So blüht die Kletterrose ständig an
verschiedenen Stellen. Ansonsten gibt es auf der Leiter genug zu tun mit den
frühen, höchststehenden Juniblüten, denn sie entwickeln sich leider auch am
schnellsten zu unansehnlichen «Mumien».

Wichtige Ausnahme beim Winterschnitt:

Wenn man eine einmalblühende Rose sein Eigen nennt, muss man wissen,
dass sie nicht, wie die öfter blühende Rose immer wieder blüht.
Man kann sie nicht jährlich im Frühling kürzen, denn sie blüht nur auf dem
letztjährigen Holz. Das heisst, man sollte es sich vor einer Neupflanzung gut
überlegen, ob man sich für eine einmalblühende oder eine öfter
blühende Rose entscheidet.
Eine einmalblühende Rose blüht im Frühling «ein-malig» schön, wird aber im
Sommer nicht gekürzt. Aus den verblühten Rosen entstehen dafür Hagebutten.
Wenn die überwinternden Kleinvögel im Frühling welche übrig gelassen
haben, darf man sie ohne Weiteres abschneiden, aber bitte die letztjährigen Triebe
für den diesjährigen Bluescht stehen lassen. Für diesen Schnitt braucht es ein geübtes
Auge, wenn der Rosenstrauch nicht mit den Jahren überaltern soll. Totes Holz kann
und sollte man direkt am Boden abschneiden, um neue, rötliche Glückstriebe aus
der Veredelungsstelle zu locken. Entweder im Herbst oder im Frühling. Auf diese
Weise erfährt die einmal blühende Rose auch eine Art Erneuerung. Ein wenig
Kosmetik braucht jede Rose. Wenn sie aber bereits überaltert ist, kann man sie
waagrecht halbieren und ein, zwei Blühsaisons abwarten, wie sie sich entwickelt.

Im April werden die im November stehen gelassenen 5 bis 8 Bodentriebe, dank
der starken, ziehenden Sonne alle gleich früh austreiben. Wenn man das an den
kleinen rötlichen Blättern links und rechts erkennt, gilt es den steigenden Saft
(Nährsalzlösung) dorthin zu kanalisieren, wo man es möchte, nämlich zu den
versteckten, tiefst liegenden  Augen. Kann sein, dass die Augen schon im März
treiben. Umso sicherer weiss der Hobbygärtner, wo er den Aprilschnitt setzen möchte.

Durch den wuchstreibenden Frühlingsschnitt wird die Rose erneuert und man kann,
wenn man möchte, den ganzen April immer noch formend eingreifen.
Zum Beispiel Blatttriebe Richtung Mitte nachträglich abknipsen, damit die
Pflanze Luft bekommt. Oder gar diese kleinen, rötlichen Triebe mit den Fingern
einkürzen, damit der Trieb sich zweiteilt und die Mitte dafür dichter wird.
Aber das ist höhere Schule. Hauptsache, man versucht nicht die Rose 20 Jahre lang
genauso zu erhalten, wie sie gepflanzt wurde, sondern sie Jahr für Jahr in einen
neuen Flor einzukleiden. Es braucht viel Mut nur diese tiefen, frischen Triebe zu
fördern. Aber dank der Sonne treiben sie mit enormer Kraft nach oben,
um sich dort noch einmal weiter zu teilen.

Den grössten Fehler, den man bei Rosenstöcken machen kann, ist, nicht genau
hinzuschauen. Nach Augen, nach neuen Trieben, nach schnellwachsenden
Wildtrieben, nach Verblühtem, nach Krankheiten wie Mehltau und Sternrusstau,
nach Ungeziefer wie Läuse und schnellfressenden Blattwespenlarven, nach zu
dünnen Zweigen, nach abgestorbenem Geäst. Aber vor allem nach den stockenden
Knoten, die oft deutlich zu erkennen sind und auf denen Jahr für Jahr nur kleine,
dichte Verlegenheits-Triebe gedeihen. Diese jahrelang stehen gelassenen Knoten
bremsen in dem betreffenden Zweig den gleitenden Stoffwechsel im
Inneren der Rose vollkommen aus. Sie müssen weg.

Rosen pikieren

Wenn Sie sich im November (oder früher) nur ungern von den oberen Teilen
der frisch gekürzten Bodentriebe trennen können, gibt es nur eines, nämlich
sie als «Steckhölzer» zu verwenden, um eine Rose eventuell zu vermehren.
Ich möchte hier nur ganz kurz auf das Pikieren eingehen, denn es gibt unzählige
schwer erklärbare Möglichkeiten und das Gelingen steht nur ungefähr 50 zu 50.
Es ist ein Versuch wert, aber einige Rosen lassen sich gar nicht vermehren.
Wenn man es doch im Vorbeigehen ausprobieren möchte, steckt man jetzt im
Herbst einige (wegen dem 50% Ausfall) «Steckhölzli» in frisch kultivierter Erde –
mit nur einem sichtbaren Auge in korrekter Wuchsrichtung.
Das ist die Kurzfassung.
Wenn es Ihnen im Sommer ähnlich geht, machen Sie, direkt nach der ersten
Blüte aus dem Schnittgut, das noch neu und weich ist, sogenannte «Stecklinge».
Zuerst, wie üblich, Verblühtes beim nächst folgenden Fünferblatt abschneiden
und danach einige Augen tiefer nochmals schneiden. So entsteht ein Steckling
für das sommerliche Vermehren. Denken Sie an die Wuchsrichtung.

Für die vielen verschiedenen Vorgehensweisen muss ich aus
Platzgründen auf das Internet verweisen.

Zum Schluss, Blattabfall

Der Winterschnitt dient der Rose in erster Linie als Vorbeugung gegen Krankheiten.
In dieser herbstlichen Zeit liegt vielleicht noch altes und teils krankes Laub unter
den Rosenstöcken. Wenn Sie einen eigenen Kompost haben, verderben Sie ihn
bitte nicht mit pilzigen und rostigen Rosenblättern. Wenn schon recyclen,
dann in der Grüntonne. Aber im Restmüll entsorgt, finden die Pilzsporen
ganz sicher nicht zurück in Ihren Garten.

Die saubere Erde unter der Rose sollte entweder mit Hilfe einer geraden Rosengabel
oder einem «Schüfeli» aufgelockert werden. Algen und Moos sollten vorsichtig von
älteren Veredelungsstellen entfernt und diese wieder mit frischer Rosenerde
angehäuft werden. Etwa 15 cm hoch. Wenn Sie ihre Rosen nicht übertrieben gekürzt
haben, brauchen sie neben der Anhäufung oft kein Tannenreisig als zusätzliche
Abdeckung. Oft treiben die Rosen eben zu früh aus unter der wärmenden
Tannendecke. Am besten ist es, die Rosen so früh wie möglich an echte
Temperaturen zu gewöhnen. Ich berechne im November sogar jeweils für Vater Frost
einen weiteren Zentimeter, wenn er mir dafür die untersten 4 Augen für den
wuchstreibenden Aprilschnitt lässt.

Vom Rindenmulch im Rosenbeet rate ich persönlich ab, denn das unverrottete,
dichte Material unterdrückt die Bodenlüftung, also die Sauerstoffzufuhr von oben.
Die guten Bakterien im Boden sind Aerob, heisst, sie brauchen Sauerstoff um grosse
Nährstoffteile im Boden zu zersetzen und sie mundgerecht für die Kleinstwurzeln
der Rose zu machen. Dazu kommt, dass wenn der frische Rindenmulch anfängt sich
selbst zu zersetzen, verbraucht er bereits den vorhandenen Sauerstoff im oberen
Segment des Erdreiches. Aber ohne Sauerstoffaustausch nach unten, haben die
unterirdischen aeroben Bakterien keine Chance, die Rose mit Nahrung zu versorgen.
Der Rindenmulch enthält je nach Baumsorte mehr oder weniger Gerbsäure und Rosen
mögen keinen sauren Boden.

So zeigt sich doch immer wieder, dass man im Leben einiges selbst in der Hand hat.
Unter vielem anderem, sauren Rindenmulch von unserem Rosenbeet fern zu halten
und dafür zum Beispiel feinen Rollkies im Rosenbeet zu verteilen. Er unterdrückt
Unkraut, hält trotzdem den Sauerstoffaustausch aufrecht und erhält an heissen
Tagen die Bodenfeuchtigkeit aufrecht. Kranker Blattabfall unterhalb der Rose
trocknet ein anstatt zu verrotten. Das Beet sieht sommerlich gepflegt aus und braucht
kaum Pflege. Sogar Schneeschmelze sickert hindurch, ohne das Beet aufzuweichen.
Vorher muss es allerdings mit einem Vlies ausgelegt werden, sonst sinken die
unteren Kiesel immer tiefer ins Erdreich hinein. Ein modernes Kies-Rosenbeet
kann ich nur empfehlen.

Diese meine wenigen Rosenanregungen – unter Millionen anderer
Rosenanregungen – sind als vorweihnachtliches Geschenk gedacht.
Sie wiegen nichts, kosten nichts und müssen nicht retourniert werden.

Im Namen der Rose, herzliche Grüsse von Evelin Scheuble