Blog von Evelin Scheuble:

März 2021

Liebe Rosenfreunde

Für Neulinge auf meinem Rosenblog, möchte ich vorausschicken, dass im Jahr 2020
bereits 3 Beiträge erschienen sind:

JULI – Rosenschnitt           SEPTEMBER – Rosenschnitt
NOVEMBER – Rosenschnitt

In diesen Beiträgen wurde auf einige grundlegende Begriffe eingegangen, die für
das Verständnis vom heutigen März – Beitrag wichtig sind. So zum Beispiel auf die
in den Blattwinkeln der Rose versteckten «Augen» (fast unsichtbare Triebe),
die sich vom Monat März an bis in die Monate Mai-Juni zu prallen Knospen und
ersten beeindruckenden Blüten entwickeln. Wenn der Rosenstock nach seiner Blüte,
jeweils Anfang Juli und Anfang September einen pflegenden Schnitt erhält,
kann man voll und ganz auf weitere Blühperioden in den Folgemonaten
August und Oktober vertrauen.

Es muss sich allerdings um eine sogenannte «remontierende» (öfterblühende)
Rose handeln, egal ob Edelrose, Beetrose, Kletterrose oder Bodendeckerrose.

Die Monate Juli und September dienen der öfterblühenden Rose als
«grüne Ruhephasen», in denen sich auf dem Strauch neue Knospen und Blüten
bilden können. Der Rosenprofi lässt sich hauptsächlich von der Blüte leiten und
schneidet nach Bauchgefühl täglich Verblühtes ab, genauer gesagt, direkt oberhalb
einem vollen «Fünferblatt», denn nur dort entstehen weitere voll entwickelte
Blatttriebe, die später Rosen tragen.

Auf diese Weise bilden sich, zeitlich und räumlich gestuft, ständig neue Knospen und
Blüten über den ganzen Strauch und über den ganzen Sommer verteilt.
Das gilt sozusagen für die meisten modernen Rosen, wie «Schneewittchen»,
«Rose Eden», «Ghislaine de Filigonde», «Herzogin Frederike», «Bonica 82»,
«Westerland», «Aprikola», «Evelyn», «Angela», «Gertrude Jekyll», «Resonanz»,
«Augusta Luise», «Romanze», «Leonardo da Vinci», «The Fairy», «Westzeit»,
«Cumba Meillandina», «The Pilgrim»…usw.

Die altehrwürdigen, einmalblühenden historischen Rosen halten noch fest an ihrem
traditionellen EIN-maligen Blütenflor. Es gibt unzählige Arten von Rosen und
unzählige Geschichten über ihre Entstehung und ihren Triumphzug über
die ganze Welt.

Neulingen auf dem Rosenparkett ist diese kleine Faustregel für öfterblühende Rosen
vielleicht eine Hilfe:

JUNI-BLÜTE, JULI-PAUSE, AUGUST-BLÜTE, SEPTEMBER-PAUSE,

OKTOBER-BLÜTE,  NOVEMBER-PAUSE UND SCHNITT

Hauptsache, Verblühtes wird entfernt – immer und immer wieder.
Je früher man Verblühtes abschneidet umso früher treibt die Rose wieder aus.
Die Faustregel arbeitet darauf hin, der Rose zu einer letzten diskreten Oktoberblüte
zu verhelfen, anstatt die Augustblüten bis in den Herbst hängen zu lassen.

Eine öfterblühende Rose möchte nur eines: Blühen.
Oft bis in die Monate November und Dezember hinein.

Das harmonische, luftige Erscheinungsbild eines Rosenstockes rundet sich im
Monat November ab, indem der Strauch schon im Juni um die höchstliegende,
erste Blüte gekürzt wurde, danach weiter unten Triebe bildete und gekürzt wurde,
um erneut Rosentriebe zu bilden.
Ein «gepflegter» Rosenstock ist demnach durch die 2 bis 3 Blütenschnitte bereits
wieder seiner eigenen Veredelungsstelle nähergekommen.
Deshalb erfolgt vor der Winterpause eigentlich nur noch das alljährliche Auslichten.
Sie können eine Rose durch Zurückschneiden nicht umbringen, nur erneuern.

Öfterblühende und einmalblühende Rosen

Unterlässt man das Abschneiden der Blüten, entwickeln sich, sowohl bei
einmalblühenden wie auch bei öfterblühenden Rosen die sogenannten
«Mumien» (vermoderte Rosenblüten) und daraus wiederum die
«Hagebutten» voll Samen.
Man sollte sich also vor dem Erwerben einer Rose genau informieren, denn eine
einmalblühende wird nur im Herbst ein wenig gestutzt, um im nächsten Frühling
auf diesen letztjährigen Ruten ein einziges Mal zu blühen.

Wenn man das Glück hat in einen alten Rosengarten neu einzuziehen, lohnt es sich,
die dortigen Rosen durch Probekürzen näher kennenzulernen – …ob es sich dabei
um einmalblühende handelt oder um öfterblühende, die für jeden noch so
zögerlichen Schnitt dankbar sind.

Ohne die sommerlichen Rückschnitte verschlafen an dem
öfterblühenden Rosenstrauch viele ruhende Augen das Blühen, weil sich die
sogenannte «Saftwaage» weiterhin an ihnen vorbei bis in die obersten Zweige
orientiert. Die Rose ermüdet, wenn sie nicht von Verblühtem befreit und die Saftsäule
dadurch unterstützend gekürzt wird. Das Resultat sind einige Stressblüten am Ende
langer, dünner Ruten, direkt unterhalb der entstandenen Mumien.
Die Gesamtentwicklung von Blüten stockt und mangels Saftdruck verkahlt die Rose
im unteren Bereich. Dabei sollte sie mit gesundem Blattwerk ihrer eigenen
Veredelungsstelle Schatten spenden und daraus neue, knackige «Glückstriebe»
für die nächste Saison treiben.
Durch einen kürzenden Schnitt auf der Höhe des Gesamtstrauches, wird das rasche
Wachstum des Glückstriebes gestoppt, um aber im Laufe des Sommers zu verholzen
und im folgenden Frühling bereits als tragender Haupttrieb für
neue gesunde Seitentriebe zu dienen.

Bei der Kletterrose lässt man solche Glückstriebe zunächst wachsen, obwohl sie
senkrecht stehend keine Seitentriebe bilden können.
Die Rute hört nicht von selbst auf nach dem Lichte zu streben, sondern wächst der
Sonne entgegen, bis sie umfällt.

Erst, wenn die lange Rute in die Waagrechte zum Liegen kommt – zum Beispiel
auf einem Draht an der Hauswand eingeflochten, oder über einen Torbogen gespannt –
dann kann die Sonne Knospen und Blüten senkrecht aus den nun liegenden,
unscheinbaren Augen ziehen. Entstehen mehrere rötliche Glückstriebe aus der Wurzel,
kann man einige davon auf etwa 2 m kürzen.
Auf diese Weise kann man versuchen die Kletterrose auch im unteren Bereich
einzukleiden und damit der Veredelungsstelle Schatten zu spenden.
Austausch zwischen neuen und veralteten Ruten ist zu jeder Zeit möglich.
Auf jeden Fall sollte man im Herbst oder im Frühling totes Holz entfernen – am besten
mit einer sauberen, scharfen Astschere ganz nahe an der Veredelungsstelle.
Ein Stummel bietet sonst jahrelang Eintritt für Regen, Pilze und Krankheiten.
Die Schnittstelle wird danach mit Erde ausreichend angehäuft.

Ein Rosenbogen ist nur so schön wie seine obersten Blüten, deshalb sollte man
immer eine Leiter in der Nähe haben und Verblühtes wöchentlich entfernen.
Dadurch wird die Saftsäule in neue, wartende «Augen» gezwungen und die Blüte
insgesamt gefördert.

Aber auch der einmalblühenden Rose tut Zuwendung gut. Auch hier werden alte,
verholzte Ruten gegen neue Glückstriebe ausgetauscht. Vor allem muss man bei
einmalblühenden Rosen die hängengelassenen «Mumien» im Auge behalten,
denn beim Ausbilden der Hagebutten landen die verfaulten Blütenblätter zusammen
mit dem Herbstlaub direkt auf der Veredelungsstelle. Das Fall-Laub unter
den Rosenstöcken sollte immer im Restmüll entsorgt werden.
Auch sommerliche, kranke Blätter auf dem Rosenstock sollten entfernt und entsorgt
werden, damit kein Pilz-Kreislauf «Wurzel – Strauch – Wurzel» entsteht.

Wer also sowieso auf Hagebutten verzichten will, kann schon im Sommer Verblühtes
abschneiden, allerdings direkt unterhalb der Rosenblüte.
Die blütentragende Rute selbst wird nicht gekürzt, denn sie treibt im nächsten
Frühling neue Rosenzweige aus. Da aber die meisten Rosen unglaublich anhänglich
sind, blühen sie oft viele Jahrzehnte lang trotz gröbster Vernachlässigung.

Neupflanzungen

Rosenbäumchen im Container

Eine «Containerrose» (Pflanzungen dank Wurzelballen im ganzen Sommerhalbjahr
möglich) befreie ich jeweils mittels einer starken Drahtschere von ihrem strammen
Plastikgefäss (Container), und zwar von der oberen Kante an senkrecht bis zum
Kübelboden. In einem bereit gestellten Kübel mit lauwarmem Wasser
(ohne Düngemittel) versenke ich den ganzen Wurzelballen genau so lange,
wie ich brauche um ein Loch auszuheben von ungefähr 40 x 40 x 40 cm Grösse.
Den Aushub von Muttererde mische ich eins zu eins mit Rosenerde und „buddle“
damit das Rosenbäumchen ein. Die Kringelwurzeln, die sich eventuell am Boden des
Plastikgefässes gebildet haben, dürfen wenig gekürzt und gerade gezogen werden.

Zuunterst um die Wurzel sollte das Erdreich mit der Faust fest angedrückt und
daneben, in 10 cm Abstand ein stützender Pfahl eingetrieben werden.
Der Pfahl sollte bis in die Krone reichen und etwa 5 cm Durchmesser haben.
Vor dem endgültigen Zuschütten kann man den feuchten Wurzelballen noch mit
den Fingern etwas auflockern. Die Rose braucht auf keinen Fall zusätzlichen
Kunstdünger, denn ihre Haarwurzeln wurden in dem Container bereits versorgt und
würden sich, entsprechend dem Prinzip der sogenannten Osmose, gegenüber
konzentrierten Düngemitteln nur verschliessen.
Wenn man der Rose etwas mit auf den Weg geben will, dann auf halber Lochhöhe eine
Handvoll Hornmehl oder gut getrockneten Kaffeesatz. So vergeht eine gewisse Zeit
bis die natürlichen Nährstoffe bei den feinen Wurzeln ankommen und von ihnen gut
aufgenommen werden können. Wenn Sie je das Gefühl haben sollten, dass Ihre Rose
unterversorgt ist, gibt es einige weitere natürliche «Nahrungsergänzungen», wie
zum Beispiel fein zerschnittene Bananenschalen, mit der oberflächlichen Erde
vermischt. Die Microorganismen sollen auch ihren Dienst leisten.

Da die Veredelungsstelle eines Rosenbäumchens sich direkt unter der Krone befindet,
muss beim Einpflanzen darauf keine Rücksicht genommen werden.
Wenn sich die Wurzel etwa 10 cm unter der Oberfläche befindet, reicht es, um eine
Mulde um den Stamm zu machen. Die Rose muss noch einige Tage mässig gewässert
werden und auf diese Weise kann man wunderbar kontrollieren, wie viel Wasser
sie tatsächlich bekommt.

Wurzelnackte Beet-Rosen

Wurzelnackte Beet-Rosen überleben den Winter wunderbar, obwohl sie auf
ungefähr 20 cm Krone und 20 cm Wurzel reduziert in Kühlräumen lagern.
Da alle Rosen übers Winterhalbjahr auf Sparflamme sind, spielt es keine Rolle, ob sie
in der Erde stehen oder nicht. Sie dürfen nur nicht austrocknen, und sind deshalb
zeitweise in Folie eingepackt. Man kann sie im Gegensatz zu den Containerrosen
von Oktober bis März, aber auf die gleiche Weise pflanzen – sofern die Erde nicht
hart gefroren ist. Sie sind zwar noch auf Sparflamme, aber die Wurzeln schlafen nicht.
Das heisst, sie wachsen genauso schnell an wie Containerrosen und sind wie sie
auch auf Juniblüte eingestellt.

Die Faustregel beim Pflanzen von wurzelnackten Rosen lautet:
Wie unten, so oben!
Das heisst, so kurz wie die Wurzeln vor dem Versand geschnitten wurden, so kurz
müssen auch die oberen Triebe sein. Bei längeren Obertrieben wären die gekürzten
Wurzeln überfordert und könnten nicht genug Nahrung bis in die Spitzen treiben.
Solche gekürzten Rosen kommen per Post gut an, manchmal mehrere eng
zusammengebunden. Sie sind günstiger als Containerrosen, aber weil die
Containerrosen im Mai so schön blühen, wissen wir genau welche wir nach Hause
tragen und sie zieren sofort Garten und Balkon. Bodennahe Veredelungsstellen,
wie bei Beet Rosen und Kletterrosen, müssen sich 10 bis 15 cm unterhalb der
Erdoberfläche befinden, damit man genug Tiefe für eine Mulde hat.
Im Winter wird die Veredelungsstelle gründlich angehäuft.

Da ich mich schon einmal in einem früheren Beitrag mit dem Thema
Veredelungsstelle beschäftigt habe, gehe ich nur auf den Unterschied zwischen
Glücks- und Wildtrieben ein.

GLÜCKS-TRIEBE  sind glasig, saftig, rötlich, unbiegsam, zerbrechlich und
schützenswert.
Sie wachsen direkt aus der Oberfläche der Veredelungsstelle heraus
und erhärten im Laufe des Sommers. Sie werden immer gekürzt.

WILD-TRIEBE  sind matt, zäh, hellgrün, biegsam, unzerbrechlich und
nicht schützenswert
. Sie wachsen einzeln 10 bis 30 cm vom Rosenstock entfernt
direkt aus der Erde. Sie werden immer gründlich entfernt.

Glückstriebe steigen direkt hoch aus der sogenannten «Ammenwurzel» –
worauf die Edelrose okuliert wurde.

Diese Ammenwurzel, die einmal eine schöne Wildrose war, möchte manchmal auch
selbst zur Geltung kommen, ähnlich wie die edle Untermieterin.
Das schafft die Wilde aber nur, wenn die Wurzel nicht tief genug im Dunklen liegt
und sie, die Wildrose, unbemerkt dem Tageslicht entgegenwachsen kann.
Sie muss, im Gegensatz zur Edelrose unter ihrer eigenen Wurzel hindurch und im
Dunkeln das Tageslicht suchen, bis sie neben der schönen edlen Rose aus der Erde
taucht. So leben die beiden eine Weile von der gleichen Wurzel, – die eine von oben,
die andere von unten, bis eines Tages ein geübtes Gärtnerauge die Wilde sieht.
Er zupft und zieht an ihr, quer durch das Beet, bis ihr langes, grünes Bein unterhalb
ihrer eigenen Wurzel endet. Hier macht der Gärtner auf der Unterseite der grünen,
zähen Wildrute einen kleinen, aber gekonnten Querschnitt – so nahe an der Wurzel
wie möglich. Und indem er von oben mit dem Daumen den Ansatz vom Wildtrieb
nach unten drückt, trennt er die Wilde von ihrer eigenen Wurzel und damit von ihren
wilden Träumen. Durch den kleinen unteren Schnitt braucht er nicht den zähen
Wildtrieb mit Gewalt von der Wurzel zu reissen. Da der Wildtrieb so zäh ist, entstehen
dadurch eben oft lange Risswunden.
Das gilt es unbedingt zu vermeiden, wegen dem Eintritt von Bakterien.

Weil der Laie nicht weiss, wo er den Ansatz eines Wildtriebes suchen soll,
schneidet er ihn leider oft auf halber Strecke durch, und wie wir wissen, regen alle
«Schnitte» zu weiterem Wachstum an. Vor allem in solch waagrechter Lage schlägt
der gekappte Wildtrieb gerne wieder senkrecht aus. In vielen alten Rosenbeeten
weiss man deshalb bald nicht mehr, was edel und was wild ist. An solch einem
langen, hellgrünen Trieb mitten im Rosenbeet kann man ruhig ziehen, auch wenn
sie ein paar einfache, rosa Blüten trägt. Man wird bald feststellen, dass der zähe
Trieb an seiner eigenen, aber zweckentfremdeten Wurzel dockt.
Es handelt sich dabei um die schnellwachsende Wurzel der Hundsrose,
Rosa Canina
, was man leicht an den 5 rosafarbenen Kronenblättern ihrer Blüte
erkennen kann. Eine alte, überhängende und blühende Hundsrose am Wegesrand
ist an sich wunderschön und ihr Dickicht bietet vielen Kleinvögeln Schutz vor
Elstern und Mardern. Sie blüht nur einmal, wird nicht geschnitten, braucht deshalb
viel Platz, aber sie liefert den Vögeln Hagebutten.

Düngen

Düngen von Neupflanzungen ist frühestens nach einem Jahr nötig – und dann
erst nach der Juniblüte, etwa Anfang Juli. Wer das Gedeihen seiner Rosen aufmerksam
verfolgt, muss kaum düngen oder Gift versprühen.
Das wiederholte Lockern und Reinigen vom Boden rund um die Rose schafft
Sauerstoff genug für die sogenannten guten aeroben Bakterien in dem
unterirdischen Chemielabor. Wird das Rosenbeet hingegen mit
saurem Rindenmulch zubetoniert, können die aeroben Bakterien «einpacken»,
denn der Rindenmulch verbraucht bereits den oberflächlich vorhandenen Sauerstoff
für seine eigene chemische Zersetzung. Danach nehmen tiefer unten
die an-aeroben Bakterien überhand, die zur Umsetzung von Biomaterial keinen
Sauerstoff brauchen. Ihre Arbeit endet in Fäulnis. Kein Wunder also, dass eine
blühen-wollende Pflanze wie die Rose nicht aufgibt, sondern ihre Wurzeln
dorthin schickt, wo ihre Nahrung von aeroben Mikroben mundgerecht zubereitet wird.
Wenn aber einzelne Rosen auf rätselhafte Weise nicht gedeihen,
bekommen sie regelrechte „Depressionen“ und müssen umgepflanzt werden.

Balkon – Rosen

Topfrosen gedeihen zum Teil ganz schlecht auf gedeckten Balkonen, wo alle
möglichen Viren und Schädlinge in der Dauerwärme Rast halten.
Wenn die Pflanzen nach dem Überwintern an einem luftigen Ort zur ersten Blüte
angetrieben werden, zieren sie im Mai und Juni gerne den gedeckten Balkon.
Fürs erneute Austreiben während den Monaten Juli und September brauchen viele
Rosen wieder Halbschatten, Luft und eine geregelte, gemässigte Wasserzufuhr mit
Zusatz von etwas Flüssigdünger. Nach der letzten Blüte im Oktober, können sie,
wie üblich eingekürzt und von jeglichem kranken Laub befreit, sogar auf dem
gedeckten Balkon überwintern.
Ein dünnes Vlies schützt sowohl eine eingekürzte Beetrose wie auch die eingekürzte
Krone vom Rosenbäumchen.

Wie schon erwähnt, schneidet ein Rosenprofi nach Gefühl. Mit den Jahren lernt man
die Sprache der eigenen Rosen und wie sie auf welchen Schnitt reagieren.
Ideal ist, wenn sich auf demselben Strauch Knospen und Blüten ständig abwechseln.
Das erreicht man, indem man täglich Verblühtes auf verschiedener Höhe entfernt.

Der Topf sollte passend zu den Rosen gekauft werden. Für eine Minirose,
beispielsweise für die starke, wunderbar satt orange leuchtende «Cumba Meillandina»,
reichen 30 cm Tiefe, immer 10 cm Blähbeton zu unterst im Topf.
Grössere Rosen brauchen, wie im Freiland, mindestens 40 cm Tiefe.

Durch unglasierte Terracottawände verdampft im Sommer das Giesswasser schneller
als durch glasierte oder durch Kunststoffgefässe. Mit den kleinen Kapillarwurzeln
vor Augen sollte man daran denken, den überwinterten Topfrosen je einmal im
Monat Februar, März und April ein Glas Wasser anzubieten, und das an
3 frostfreien Nächten. Nicht um sie anzutreiben, sondern um die Kleinstwurzeln
feucht zu halten. Sie sollten weder eintrocknen noch im Wasser stehen.
Also nie auf Vorrat wässern. Topft man im Mai eine bereits blühende, öfterblühende
Containerrose – ob Bäumchen oder Beetrose – ein, ist das regelmässige Entfernen
von Verblühtem von Anfang an die beste Variante, sofern sie an einer luftigen Stelle
steht. Widerstandsfähige Rosen, wie «Bonica82», «Resonanz» oder
«Leonardo da Vinci» können auf dem Balkon bis in den November und
Dezember hinein blühen.

Grösser werdende Rosensträucher wie «Romanze», «Angela»,
«Ghislaine de Filigonde» oder «Gertrude Jekyll» würde ich, so wunderschön und
solide sie im Freiland sind, nicht in einen Topf zwingen.

Die Osmose

Weniger düngen ist oft mehr, denn was an künstlichen Nährsalzen bei den
Wurzeln der Rose ankommt, darf vereinfacht gesagt nicht salziger sein als deren
Innenleben. Nur so kann die Wurzel aus der Erde Nahrung ziehen, denn Salz zieht
Wasser, normales Wasser, oder weniger salziges Wasser – ähnliches Prinzip, wie
wenn man Salz auf einen Rotweinfleck streut.

Wenn man also eine junge Rose zu früh und zu übertrieben mit Mineralsalzen düngt,
machen ihre äussersten kapillaren Wurzeln zu. Die Rose wurde vor und nach dem
Einpflanzen ausreichend versorgt und nach weiterem Düngen ist das Erdreich plötzlich
konzentrierter als das Innenleben der Rose.
Die Chemie zwischen den beiden stimmt nicht mehr. Die Rose stirbt deswegen
natürlich noch lange nicht, sondern schickt ihre Wurzeln los um eine
mildere Konzentration zu suchen.

Schliesslich ist sie ja von Natur aus auf das «Salz der Erde» programmiert.

Einjährige und ältere Rosen brauchen nach der Juni-Blüte vielleicht etwas
Dünger für den Juli-Antrieb, aber da reicht meistens ein wenig gut getrockneter
Kaffeesatz oder Niem-Presskuchen, locker in die Erdoberfläche eingearbeitet.
Es handelt sich um ein nährendes Abfallprodukt nach der Herstellung des
übelriechenden Niembaumöls, also um ein Bio-Produkt.

Das Niembaumöl soll einen vernichtenden Einfluss auf einige Schädlinge und Pilze
haben, aber nicht auf alle. Da es sowohl Bienen und Maikäfer
(Regenwürmer unbekannt) verschont, kommt es auf einen Versuch an und zwar
so früh, dass fliegende, beissende und saugende Insekten bereits am Anfang der
Saison einen Bogen um Gottlieben machen.

Pflanzenschutz oder nicht

Gegen Schädlinge, Pilzsporen und Co. hilft vorbeugend nur Zugluft und genügend
Abstand zwischen den einzelnen, ausgelichteten Pflanzen.
Jede Art von «Pflanzenschutz» muss vor Befall stattfinden – ob Bio oder Chemie –
das heisst, bei einem Blatt-Austrieb von 3 bis 4 cm. Wenn überhaupt.

Eine mögliche Pflanzenschutzmischung besteht auf Basis des Niembaumöls.
Das überreichende Niem-Produkt aus Niembaumsamen ist erhältlich in Coop
und Migros – inklusive Gebrauchsanleitung.
Es ist wichtig, spätestens beim Aprilaustrieb fliegenden und kriechenden
Insekten zuvor zu kommen, denn sie feiern bald Hochsaison und
erobern das zarteste Grün.
Wenn man bei beissenden und saugenden Insekten bis zum Befall wartet, braucht es
unter Umständen bedeutend mehr Mittel – organisch oder chemisch –
denn nun haben die Blätter plötzlich zwei Seiten.
Statt planlos Pflanzenschutzmittel einzusetzen, sollte man betroffene Blätter und
Stängel dem Fachmann vorbeibringen. Ob der Fachmann dann eher verkaufsorientiert
als kundenfreundlich eingestellt ist, werden wir Laiengärtner nie erfahren.
Sichtbaren Befall von Blattläusen streife ich im Vorbeilaufen mit drei Fingern und
einem feuchten Papiertaschentuch nach oben ab. Hauptsache, dass ich sie dezimiere.
Sie vermehren sich teils eierlegend teils lebendgebärend und unheimlich stark.

Gegen Pilzkrankheiten hat man schon viel unternommen, wenn man krankes Laub
sofort in den Restmüll entsorgt. Dadurch verdichtet sich der Boden unter den
Rosensträuchern nicht, sondern bleibt luftdurchlässig und gesund.
Regenwasser muss jedenfalls in die Tiefe laufen können und nicht auf der
empfindlichen Veredelungsstelle stehen bleiben. Stau ist immer schlecht.
Auch die deutlichen, knorrigen Knie, die oft seit Generationen auf alten Rosen
stehen gelassen werden, bremsen den Kreislauf der Pflanze.
Wenn man unterhalb des Knies schneidet, treibt die alte Rute erneuernd
aus den tieferliegenden Augen aus.

MÄRZ – Rosenschnitt

Die Kronen von jungen Rosenbäumchen kann man in den ersten Jahren über
Winter in Vlies einpacken.

Das fällt dem Gärtner aber in dem Falle schwer, wenn die Bäumchen immer noch,
bis Ende November schönste Blüten tragen und auch noch satt grünes Laub.
So geschehen vor dem «Hotel Hecht» in Gottlieben, wo die im Oktober 2020
gepflanzten Bäumchen, mit dem Namen «Westzeit» nicht aufhören wollten in
fluorisierendem Rosa-Orange zu blühen.
Ob sie nun im März in dem wärmenden Vlies verfrüht austreiben oder durch die reale
Märzwitterung gebremst werden, kommt nach meiner Meinung nicht darauf an.
Das Austreiben geht so oder so erst bei etwa 20 Grad richtig los.
Man darf darauf gespannt sein, ob die fragile Rose «Westzeit» sich im Frühling so
widerstandsfähig erweist, wie im letzten November.
Bei solch einem jungen Bäumchen gibt es nach dem Novemberschnitt keinen
besonderen März-Schnitt. Die «Westzeit» braucht jetzt ein paar Jahre um sich
zu festigen. Wie unten, so oben. Wie die Wurzel, so die Krone.

Wenn Beet-Rosen im Herbst ausgelichtet und auf 20 bis 30 cm gekürzt wurden,
gibt es im März auch nicht viel mehr zu tun als den Winterschutz zu entfernen.
Die jährlich wiederkehrende Frage ist jeweils, wann? Tannenreisig oder Vlies kann
meiner Meinung nach jetzt, Mitte März, weg, da die Erdanhäufungen über die
Veredelungsstellen weiterhin genügend Frostschutz für die untersten Triebe bieten.

Oberhalb der Anhäufungen kann man bereits schön verfolgen, wo und wie kräftig
die Rosen austreiben. Je nach Gefühl und Wetter kann man bald die
Erdanhäufungen ebnen und die winterliche Erdkrume damit auflockern.
Und je nach Anzahl, Stärke und Wuchsrichtung der grünen Blatttriebe, kann man,
weil sie weit fortgeschritten sind, die obersten abschneiden.

Diese oberen Augen auf jedem Bodentrieb wurden im Herbst als
eine Art Fiebermesser stehen gelassen, weil man dadurch im Frühling ständig
über das Befinden der Rose informiert ist. Hat sie den Winter überstanden?
Und gefriert es noch in der Nacht? Das erfährt man über die obersten, ersten
Blatttriebe, weil sie dann verkümmern würden. In dem Fall muss die Erdanhäufung
weiterhin die unteren schlafenden Augen schützen. Eine alte Regel besagt, dass erst,
wenn die gelbe Forsythie blüht, die Rosensaison anfängt. Dann kann man beruhigt
durch die blühende Landschaft fahren, um sich weitere königliche
Schönheiten zu sichern.

Grössere Rosensträucher wurden im Herbst am Boden schön ausgelichtet, heisst,
vom alten Holz befreit. Die langen Triebe wurden aber nur um etwa ein Drittel gekürzt.
Wenn es sich um einen robusten Strauch handelt, sind seine letztjährigen Triebe im
März bereits tüchtig am Austreiben. Will man den Strauch ein wenig abrunden, kürzt
man die letztjährigen äusseren Triebe um ein paar von den obersten grünen
Blatttrieben – und zwar so, dass der oberste Trieb nach innen zeigt. Ein leichter
Schrägschnitt sollte immer Regen und Tau weg von treibenden Augen leiten.

Wichtigstes Gebot für die neueröffneten Frühlingsbeete ist «Abstand halten»,
um Viren und Pilzsporen sowie beissende, saugende und eierlegende
Insekten dank Luftzug fern zu halten.

Morgensonne ist wichtig, damit der Nachttau auf Blattwerk und Blüten schnell
abtrocknet und die Sonne früh möglichst durch die trockenen Blätter
den Kreislauf in Schwung bringt.

Eine ca. 5 cm tiefe, kleine Mulde unter jeder Rose ist wichtig.
So gelangt Wasser aus der Kanne oder aus dem Schlauch ohne Verlust direkt an
die Wurzel. Ich machte mir früher einen Spass daraus, bei jeder Rose bis 10 zu zählen,
bei drucklosem Wasserstrahl und im Sekundentakt.
So bekamen alle Rosen gleich «wenig» Wasser und es ging vorwärts. Einmal am Tag.
Abends bevor die Sonne unterging, aber nie über die Blätter. Stehende Nässe fördert
bereits vorhandene Pilzsporen. Beim sommerlichen „Schnelltrocknen“ können
die Blätter andererseits verbrennen. Wenig, aber regelmässig wässern.
Regelmässig kann auch jeden zweiten Tag sein. Je nach Wetter.

Grande Amore

Die Edelrose, «Grande Amore» und ich sind alte Bekannte aus früheren Zeiten.
Sie ist eine dunkelrot blühende, langbeinige Dame. Ähnlich der rosaroten
«Königin Elisabeth». Und deshalb braucht die Grande Amore wie auch sie einen
starken Sockel. Die ersten Jahre sind ihre Haupttriebe noch dünn und grün, werden
aber bald verholzen. Aus der Veredelungsstelle wird jährlich mindestens ein neuer,
knackiger Glückstrieb aufsteigen. Es ist wichtig, dass solche Triebe eingekürzt werden,
damit sie sich mitten im Rosenstock verzweigen. Es macht keinen Sinn, dass ein
einzelner, langer Trieb den ganzen Sommer aus dem Rosenstock herausragt.
Er verbraucht dadurch umsonst Energie und wird im Herbst sowieso gekürzt.
Erst nach 2 bis 3 Jahren Geduld bedankt sich die stolze Grande Amore für gute Pflege.
Sie wird aber von da an immer wieder abwechselnd auf 3 bis 4 langgehaltenen Stielen
blühen, während 3 bis 4 andere Triebe remontieren (Knospen bilden).

Die «Grande Amore» ist nicht nur eine Beet Rose, sondern eine Stielrose.
Sobald ihre einzelne Rose verblüht ist, muss der lange Stiel wieder auf halber Höhe
gekürzt werden, damit er nochmals aus tieferen Augen frisch austreibt und blüht.
Im Moment versteckt sich die Grande Amore noch im Beet vor dem ehemaligen
«Hotel Hecht» in Gottlieben und hofft auf baldige Wärme und Sonnenschein.

Es ist schon ein wenig wehmütig über die wunderbare Rosenwelt zu schreiben, wenn
man selbst nur eine einzige Rose seine eigene nennt, und sie – eine kleine Kletterrose
namens «Florentina» – gar ihr Leben auf einem Balkon fristen muss.
Das war zum Glück nicht immer so. Ich wuchs mit Rosen auf und pflegte später
mein eigenes Rosenparadies – 80 Damen an der Zahl. Grosse und Kleine.
Die überbordende Wildrose, «Rose Canina» durfte sich über einen Zaun in allen
Richtungen ausbreiten. In alten Holundersträuchern kletterten sogenannte
Rambler Rosen mit den Namen «Himalayan Musk», «Scarman’s Golden»
und «Lykkefund». Lykkefund ist eine dänische Züchtung und ihr Name
bedeutet in etwa «gefundenes Glück».  Das war ein wunderschöner Lebensabschnitt.

Ich hoffe sehr, dass ich mit diesem vierten und letzten Blogbeitrag ein
paar Interessierte für das Rosendasein begeistern konnte und wünsche allen
Rosenliebhabern viel Vergnügen beim Aussuchen unter den tausenden,
blühenden Rosen, die bald zum Verkauf stehen werden
im Gartencenter «Rosen-Roth» in Kesswil, im Rosencenter «Breitenmoser» in
Dussnang, im Gartencenter «Hauenstein» in Rafz und in
der Baumschule «Herter» in Hüttwilen/Nussbaumen.

Bevor Sie die schönste Rose von allen kaufen, sollten Sie sich vergewissern,
dass die Haupttriebe an der Wurzel auch saftig grün sind. Wie unten, so oben.
Davon hängt ihr zukünftiges Dasein ab.
Im Zweifelsfall vertrauen Sie lieber auf die erprobten Rosensorten ihrer Freunde.

Herzliche Grüsse, Evelin Scheuble

«Wer auf Rosen gebettet ist, beklagt sich oft und gerne über ihre Dornen»

Titelbild: «Westzeit»

Beitragsbild:  «Mein Rosengarten 2009»