Blog von M. Baecher

für den ältesten Gottlieber

Joseph Franz Müller war sichtlich gerührt, als Gottlieben am Dienstag, 27. Januar, seinem ältesten Bürger per Liveschaltung nach Cochabamba in Bolivien zu seinem 100. Geburtstag gratulierte. Und die hier im Gemeindesaal Versammelten erlebten einen Jubilar bei bester Laune und bewundernswerter Präsenz, der alles Gebotene schlagfertig mit treffendem Humor zu kommentieren wusste und immer wieder für ein spontanes Lachen sorgte.

Die auf die Leinwand projizierte Liveschaltung per Zoom hatte die Gottlieberin Cosima Wachs möglich gemacht, die über die entsprechenden Kompetenzen und die nötige technische Ausrüstung verfügt. Auf der Gegenseite in einer Bibliothek im bolivianischen Cochabamba sorgten die beiden Töchter der Schweizer Honorarkonsulin Cordi Thöny, Alissa und Inara, dafür, dass alles zweckmässig und rechtzeitig vorbereitet war.

Gegen 19 Uhr war der grosse Moment gekommen – und trotz der Skiferien hatte sich im Gemeindesaal eine ansehnliche Anzahl Gottlieberinnen und Gottlieber eingefunden, um bei diesem ganz besonderen Ereignis dabei zu sein.

«Happy Birthday» der Kinder zum Auftakt

Nach der Begrüssung durch Gemeindepräsident Bruno Schärer wurde das «Happy Birthday» eingespielt, das die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Gottlieben nicht nur in Englisch, sondern auch in den drei Landessprachen eingesungen hatten. Zum Abschluss der Live-Schaltung fügten Joseph Franz Müller und seine Betreuerinnen in Cochabamba dann noch die spanische Version hinzu.

In seiner Grussbotschaft hob der Gottlieber Lokalhistoriker Rolf Seger, der in den letzten Monaten mit dem Jubilar verschiedentlich längere Telefongespräche geführt hat, unter anderem das ungebrochene Interesse von Joseph Franz Müller an seiner Heimatgemeinde und seinen nach wie vor unverfälschten Thurgauer Dialekt hervor. Gemeindepräsident Bruno Schärer seinerseits bedankte sich in seinem Grusswort unter anderem für die grosszügige Unterstützung und die herrlichen Geschichten aus längst vergangenen Zeiten, die der Jubilar Gottlieben in den letzten Jahren zuteilwerden liess.

Mit dem Lied «Altirischer Segenswunsch» überbrachte der (ferienhalber reduzierte) Chor Gottlieben unter der ersatzweisen Leitung des Gottlieber Sängers und Gemeinderates Thomas Schürpf seine besten Wünsche. Dort heisst es im Refrain: «… und bis wir uns wiedersehen, möge Gott seine schützende Hand über Dir halten.»

Im Herzen ein Gottlieber geblieben

In Vertretung der ferienhalber abwesenden Präsidentin Ursula Gerster, verlas Matin Bächer sodann ihre Grussbotschaft im Namen des Einwohnervereins. Darin betonte sie, dass Joseph Franz Müller mit einem Teil seines Herzens bis heute ein Gottlieber geblieben sei, und dies obwohl er mit 21 Jahren von hier weggezogen ist. Auch sie bedankte sich für die grosszügige Unterstützung, die der Jubilar ebenso dem Einwohnverein in letzten Jahren zukommen liess.

Und Ursula Gerster war es auch, die das Plakat am Dorfeingang gestaltet hat. Es verkündet, das Gottlieben – nach Erwin Meyer 2021 – wieder einen 100-Jährigen feiern darf und ihm dazu die besten Wünsche überbringt.

Den Abschluss der Grussadressen bildete jene des ehemaligen Gemeindepräsidenten Paul Keller, der in den letzten sieben Jahren im Amt mit Joseph Franz Müller einen intensiven Kontakt gepflegt und unter anderem 2021 auch jenes denkwürdige Video-Gespräch zwischen ihm und dem damals 100jährigen Erwin Meyer ermöglicht hatte. Dabei sind die beiden Betagten in glasklarer Erinnerung zusammen von Haus zu Haus durch das Gottlieben ihrer Jugend gegangen. Es habe tatsächlich so geklungen, als wäre er, «Joe» Müller, eben erst noch hier gewesen, meinte Paul Keller.

«Die alten Strassen noch …»

Dazu passend sang der Chor Gottlieben darauf jenes Lied, das damals der Männerchor Gottlieben häufig gesungen hat und das Joseph Franz Müller in seinen Telefongesprächen immer wieder erwähnt hat: «Die alten Strassen noch». Darin heisst es im Refrain: «Die alten Strassen noch, die alten Häuser noch, die alten Freunde aber sind nicht mehr». Es war nicht nur für den Jubilaren ein sehr bewegender Moment, als der Chor dies sang. Mit Erwin Meyer und Walter Helbling seien eben seine letzten alten Freunde hier verstorben, fügte Joseph Fanz Müller wehmütig hinzu. Doch er hat jetzt hier viele neue Freunde dazu gefunden.

Danach wurde in beiden Kontinenten über die Meere hinweg auf den 100-jährigen Gottlieber und mit ihm auf sein langes Leben angestossen – und darauf, dass es ihm noch lange geschenkt sei.

Sonderausgabe der «Gottlieber Nachrichten»

Als bleibendes Geschenk ist die Sonderausgabe der «Gottlieber Nachrichten» zu seinen Ehren unterwegs nach Cochabamba – auf goldfarbenes Papier gedruckt und eingebunden in eine von Sandra Merten in der Gottlieber Handbuchbinderei gefertigten Mappe mit einer Goldprägung vorne drauf. Allen Beteiligten, die dazu beigetragen, dass dieses besondere Ereignis so stimmig und stimmungsvoll begangen werden konnte, sei herzlich gedankt.

Fotos: M. Baecher, J. Janusch