Blog von M. Baecher
…Gottlieben kann feiern
Grünes Licht für das 777-Jahr-Jubiläum von Gottlieben im Jahr 2028 – mit einem Festspiel im Innenhof des Schlosses als Höhepunkt. Die Gemeindeversammlung vom Dienstag, 2. Juni, genehmigte sowohl das von einer Arbeitsgruppe erarbeitete Konzept für die Jubiläumsaktivitäten als auch den Kredit von 70’000 Franken für die Realisierung der Pläne. Ebenfalls zugestimmt wurde der Rechnung 2025 und der Verwendung des Ertragsüberschusses von knapp 235’000 Franken – sowie drei Einbürgerungen.
Gemeindepräsident Bruno Schärer konnte 35 Stimmberechtigte und zahlreiche Gäste im fast voll besetzten Gemeindesaal zur zweiten Versammlung begrüssen, seit er das Amt vor einem Jahr angetreten hat. Sein erster, schriftlich vorliegender Jahresbericht fand diskussionslos breite Zustimmung.
«Aus Gottlieben für Gottlieben»
Über die geplanten Aktivitäten zum 777-Jahr-Jubiläum von Gottlieben 2028 wurde an der eigens anberaumten Informationsveranstaltung vom 4. Mai umfassend informiert und in den «Gottlieber Nachrichten» darüber ausführlich berichtet. In Anbetracht dessen konnte sich der zuständige Gemeinderat Thomas Schürpf zur Einleitung auf dieses Traktandum kurz fassen. Er verwies nochmals darauf, dass sich 2028 die historische Chance bietet, im Innenhof des Schlosses als Höhepunkt des Jubiläumsjahres in der Zeit vom 18. August bis 3. September ein Festspiel aufzuführen. Für dessen Erarbeitung und Realisierung habe der erfahrene Darsteller, Autor und Spielleiter Oliver Kühn vom «Theater Jetzt» gewonnen werden können. Über das ganze Jahr verteilt seien zahlreiche Aktivitäten für Jung und Alt geplant, die sich vor allem an die Gottlieber Bevölkerung richten, so ein Dorffest, eine grosse gemeinsame Tafel, Führungen, Vorträge, eine Ausstellung usw. Und auch die Schule beteilige sich mit einem eigenen Projekt. Um das alles realisieren zu können, beantrage der Gemeinderat einen Kredit von insgesamt 70’000 Franken.
Oliver Kühn ergänzte, dass es ein musikalisches Theater «aus Gottlieben für Gottlieben» mit überregionaler Ausstrahlung werden soll, will heissen: Darin eingewoben werden auch die Geschichten der Gottlieberinnen und Gottlieber (mit dem Schloss), die er im Rahmen der Recherche in Erfahrung bringen möchte. Und neben professionellen Bühnenleuten sollen natürlich auch Laien aller Alter aus Gottlieben und der Umgebung mitspielen. Leonie Huber (Bild) unterstrich, dass ihre Familie dieses Vorhaben an dem historischen Ort gerne ermögliche, denn es sei ihr ohnehin ein Anliegen, das Schloss für öffentliche Veranstaltungen zu öffnen. Bis 2028 sollten die bereits laufende Sanierung der Fassaden im Innenhof abgeschlossen sein.
Breite Zustimmung zu Konzept und Finanzierung
In der kurzen Diskussion wurde vorgeschlagen, zur Finanzierung des Gemeindebeitrages für die Jubiläumsaktivitäten auf die vorhandenen Legate zurückzugreifen. Der Gemeinderat möchte die 70’000 Franken dagegen schrittweise aus dem ordentlichen Gemeindehaushalt finanzieren. Im Budget 2026 sind dafür bereits 20’000 Franken eingeplant. Auf die Frage der Defizitgarantie wies OK-Präsiden Paul Keller darauf, dass bei den Einnahmen aus der Festwirtschaft mit einem Überschuss von 10’000 Franken gerechnet werde, die zur Deckung eines allfälligen Defizites verwendet werden könnten. Oliver Kühn ergänzte, dass das Budget für das Festspiel im Umfang von total 395’000 Franken aufgrund der Erfahrungen bei verschiedenen vergleichbaren Vorhaben zusammengestellt worden sei.
Darauf wurde das Konzept für die Jubiläumsaktivitäten einstimmig, der Kredit von 70’000 Franken mit zwei Gegenstimmen genehmigt.
Erfreulicher Rechnungsabschluss
Peter Fritschi als zuständiger Gemeinderat erläuterte sodann die Rechnung 2025 der Gemeinde. In der Bilanz stehen Aktiven von knapp 4,873 Mio. Passiven von 4,638 Mio. Franken gegenüber, womit ein Gewinn von fast 235’000 Franken resultiert. Dies entspricht dem erfreulichen Ergebnis der Erfolgsrechnung 2025, das vor allem auf die höheren Steuereinnahmen der natürlichen Personen von rund 888’000 Franken (statt den budgetierten gut 582’000 Franken) zurückzuführen ist. Dazu kommen Rückerstattungen von wirtschaftlicher Hilfe im Umfang von fast 119’000 Franken (statt der budgetierten 26’500 Franken). Gegenüber dem Budget 2025, das mit einem Ausgabenüberschuss von 174’400 Franken gerechnet hatte, schliesst die Rechnung um gut 409’00 Franken besser als vorgesehen.
Landungssteg etwas teurer
Bei der Investitionsrechnung wurde darauf hingewiesen, dass der für den neuen behindertengerechten Landungssteg im November 2022 bewilligte Kredit von 522’000 Franken um 12,6% überschritten worden ist (effektive Baukosten: 587’818 Franken). Kostentreiber seien zur Hauptsache die umfangreichen statische Vorabklärungen und die von den zuständigen Bundesämtern geforderte Bau- bzw. Umweltbegleitung gewesen. Die 12’000 Franken für die Anzeigetafel, um die damals das Kreditbegehren reduziert worden war, wurde über vier Spenden von je 3’000 Franken finanziert, wie auf Nachfrage erklärt wurde.
Überhöhte Eigenkapitalquote
Der Gemeinderat beantragte, vom Überschuss 150’000 Franken dem NHG-Fonds (NHG: Natur- und Heimatschutz-Gesetz) zuzuweisen, um den Gemeindeanteil an denkmalpflegerisch bedingten Mehrkosten finanzieren zu können, die im Zusammenhang mit den Sanierungsarbeiten an historischen Liegenschafen (namentlich am Schloss) zu erwarten sind. Der Restbetrag von knapp 85’000 Franken sollte dem zweckfreien Eigenkapital gutgeschrieben werden, das damit auf insgesamt gut 2,285 Mio. Franken steigt. Diskutierte wurde, ob alternativ vom Restbetrag 50’000 Franken für das Jubiläum 2028 hätten zurückgestellt werden können, um die überhöhte Eigenkapitalquote von 197 Prozent zu reduzieren. Auf einen entsprechenden Antrag wurde dann aber verzichtet.
In der Abstimmung wurde der Jahresrechnung 2025 mit einer Enthaltung zugestimmt, der vorgeschlagenen Gewinnverwendung dann einstimmig.
Drei Einbürgerungen
In geheimer Abstimmung wurde den drei Einbürgerungsgesuchen von Roman Schreiber, Anette Engljähringer und Dominik Heier (mit dessen Tochter) grossmehrheitlich zugestimmt.
Ein Logo für das grosse Fest
Für das 777-Jahr-Jubiläum von Gottlieben 2028 gibt es bereits ein Logo, das zum Schluss der Gemeindeversammlung präsentiert wurde. Möglich wurde dies dank Marc Roesti, der sich in verdankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat, im Organisationskomitee (OK) das Sponsoring übernehmen. Art Director Pierre Aerni, ein langjähriger Freund von ihm, der auch schon Schweizer Briefmarken gestaltet hat, hatte sich bereit erklärt, in Zusammenarbeit mit einem Ausschuss des OK’s Vorschläge zu erarbeiten – und das kostenlos! Aufgenommen hat er sogar die Anregung von Martin Biebel, der im Ressort Medien/Werbung mitarbeitet, eine runde Variante zu gestalten, die jetzt als Bierdeckel und als Stempel ebenfalls vorliegt. OK-Präsident Paul Keller verdankte dies an der Versammlung herzlich.
Das Jubiläumslogo, das auf dem bestehenden Gemeindelogo aufbaut, soll mit der Zeile «Dorf und Schloss feiern» zum Ausdruck bringen, dass das Dorf und das Schloss nach den Jahrzehnten der Abschottung zusammenrücken und das Jubiläum gemeinsam begehen.
Übrigens: Gottlieben hat «eines der schönsten Logos im Thurgau». Zu diesem Urteil kam die «Thurgauer Zeitung» in ihrer Ausgabe vom 13. März 2021, die damals eine Zusammenstellung aller Gemeindelogos unseres Kantons veröffentlicht hat. Beurteilt wurden sie von Sven Gallinelli, dem Art Director für die Zentralredaktion der CH Media AG, zu der auch die «Thurgauer Zeitung» gehört. Das Gottlieber Logo wurde bereits 1994 im Auftrag des damaligen Verkehrsvereins Gottlieben von Prof. Bernd Jahnke vom Institut für Kommunikationsdesign entwickelt, das 1985 in die Fachhochschule Konstanz (heute: HTWG Konstanz) eingegliedert worden war. Das Gottlieber Logo könne nach so langer Zeit (mittlerweile 32 Jahre) als «moderner Klassiker» bezeichnet werden, so Art Director Sven Gallinelli damals in einer Mail.
Von Zwergmäusen und anderen Dingen
Wichtiger Bestandteil der Gemeindeversammlung sind auch immer die Mitteilungen, so auch bei jener vom 2. Juni:
- Im Espen Riet westlich des Dorfes lebt eine in der Schweiz äusserst selten gewordene Art von Zwergmäusen. Ergänzend zum Bericht in den «Gottlieber Nachrichten» wies Gemeindepräsident Bruno Schörer darauf hin, dass die seltenen Tiere im zweijährigen Schilf leben, weshalb die Pflegemassnahmen im Riet entsprechend angepasst werden müssen. Sie bauen ihre kunstvollen Kugelnester auf einer Höhe von rund 1,2 Meter und nutzen dabei ihren langen Schwanz als zusätzliche Klammerhilfe. Im Riet zwischen Gottlieben und Ermatingen leben drei Populationen, die sich aber offenbar nicht finden.
- Die Leselounge, die 2020 auf der Dorfwiese eingerichtet wurde und Bestandteil des Thronfolgeweges von Thurgau Tourismus entlang dem Untersee ist, ist in die Jahre gekommen und macht mittlerweile einen desolaten Eindruck. Wie Gemeinderat Thomas Schürpf ankündigte, wird sie in nächster Zeit durch schöne Parkbänke ersetzt werden. Nachdem ein Gedicht von Emanuel von Bodman die bisherige Leselounge zierte, soll die neue Bank seiner Frau Clara von Bodman gewidmet sein, allenfalls versehen mit einem Text von ihr.
- Der neue Landungssteg musste (weil breiter) auch mit einen neuen Ortsschild (im bisherigen Stil) versehen werden, aber das alte existiert immer noch. Wie Gemeindepräsident Bruno Schärer mitteilte, wird geprüft, ob es andernorts wiederverwendet werden könnte, beispielsweise zwischen den Fahnenstangen beim Dorfeingang.
- An der Gemeindeversammlung vor einem Jahr wurde ein Kredit von 33’000 Franken (inkl. Reserve von 5%) als Anteil von Gottlieben (4,3%) an die Sanierung der regionalen Schiessanlage Bäärenmos in Neuwilen genehmigt. Gemäss dem Gemeindepräsidenten darf nach aktuellem Stand mit geringeren Kosten gerechnet werden.
- Wie auf Nachfrage erklärt wurde, laufen die Abklärungen betreffend die Abtragung bzw. Ausbaggerung von verlandeten Stellen bei den Bootsliegeplätzen am Seerhein-Ufer und im Espenweiher noch (siehe auch «Gottlieber Nachrichten» vom März 2026). Gemeindepräsident Bruno Schärer geht davon aus, dass die entsprechenden Arbeiten erst im nächsten Jahr ausgeführt werden können.
Foto: M. Baecher








Lieber Martin
Vielen Dank für die informative und tadellose Berichterstattung über die erfolgreich verlaufene Gemeindeversammlung vom 2. Juni 2026. Zudem schön präsentierte Logos für „777 Jahre Gottlieben 2028“ und „lebendige“ Fotos der Protagonisten dieses Abends.
Mit freundlichen Grüssen an den Espen
Rolf