Blog von M. Baecher
…grosses Interesse an der Informationsveranstaltung
Gross war das Interesse an der Informationsveranstaltung über die Pläne zum 777-Jahr-Jubiläum von Gottlieben 2028, zu der der Gemeinderat im Vorfeld der Gemeindeversammlung vom 2. Juni in den Gemeindesaal eingeladen hatte. Drei grosse Themenkreise sind für das Jubiläumsjahr vorgesehen: geschichtlicher Rückblick, Jubiläumsveranstaltungen im Jahresverlauf und im bestehenden Kalender sowie das Festspiel im Innenhof des Schlosses. Die geplanten Aktivitäten wurden näher vorgestellt – und wussten zu begeistern.
Er präsentiere heute, was andere vorbereitet hätten, meinte OK-Präsident Paul Keller einleitend. Denn bevor das Organisationskomitee für das Jubiläum gebildet wurde, hatte eine 14-köpfige Arbeitsgruppe Ideen entwickelt, Pläne geschmiedet und Vorbereitungen getroffen.
Das Organisationskomitee
Das Organisationskomitee für das 777-Jahr-Jubiläum setzt sich wie folgt zusammen:
- Präsident: Paul Keller
- Sekretariat/Finanzen: Karin König
- Festspiel: Oliver Kühn (Leonie Huber)
- Jubiläumsprogramm: Thomas Schürpf
- Festwirtschaft: Veiko Hellwig
- Infrastruktur/Sicherheit: Sandro Kappler
- Sponsoring: Marc Roesti
- Medien/Werbung: Martin Bächer
Es sind nur die RessortleiterInnen aufgeführt; die übrigen Mitglieder der bisherigen Arbeitsgruppe werden in den jeweiligen Ressorts weiter mitarbeiten.
Lokalhistorie anschaulich und greifbar machen
Lokalhistoriker Rolf Seger stellte einerseits die Pläne für den geschichtlichen Rückblick vor und informierte damit auch gleichzeitig über den Anlass zum Jubilieren. Geplant ist eine Ausstellung im Bodmanhaus, bei der unter anderem die Luzerner Chronik von Diebold Schilling mit der ältesten Darstellung von Gottlieben aus dem Jahr 1513, aber auch die Gottlieber Offnung von 1521 ausgestellt werden, ebenso historische Aufnahmen des Gottlieber Photographen Willy Müller oder die Plakate der Festspiele von 1951 und 2001. Erinnert werden soll in diesem Rahmen auch an markante Persönlichkeiten, und daran, dass einst die Fischerei die wirtschaftliche Grundlage von Gottlieben war. Vorträge von Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums, und von Tobias Engelsing, Direktor der Städtischen Museen Konstanz, sind bereits vereinbart. Als über das Jubiläumjahr hinaus bleibendes Element sollen historisch interessante Häuser mit Hinweistafeln versehen werden.
Zahlreiche Aktivitäten über das Jubiläumsjahr verteilt
Gemeinderat Thomas Schürpf, Ressortleiter Jubiläumsprogramm im OK, unterstrich, dass die übrigen Aktivitäten im Jubiläumsjahr (neben dem Festspiel) sich vor allem an die Gottlieberinnen und Gottlieber jeden Alters richteten. Dabei sollen unter anderem die bestehenden Anlässe der Bürgergemeinde und des Einwohnervereins mit Jubiläumsakzenten ergänzt werden, so der Neujahrsapéro, der Seniorenzmittag, das Sommernachtsfest, die 1.-August-Feier oder die Dorfolympiade. Der Regionalmarkt könnte um einen Mittelaltermarkt erweitert werden. Aber auch eine grosse Eberhard-Tafel (in der Erinnerung, dass Bischof Eberhard II. Truchsess von Waldenburg die Burg Gottlieben 1251 erbauen liess) auf der Kirchstrasse oder an der Promenade ist geplant, oder ein Dorffest im Festzelt, das für das Festspiel auf der Dorfwiese ohnehin errichtet wird. Weitere Ideen: Dorfquiz, Foxtrail, Wunschbaum, interaktive Schatzsuche, Kunstmarkt…
Mit einem eigenen Projekt will sich die Schule Gottlieben am Jubiläum beteiligen: mit einem Geschichtenweg durch das Dorf, bei dem an den einzelnen Stationen mittels QR-Code eine Geschichte angehört werden kann, die die SchülerInnen selber verfasst haben bzw. erzählen.
Auch eine Kombination mit Aktivitäten der Gottlieber Spezialitäten AG ist denkbar, die 2028 gleichzeitig ihr 100-Jahr-Jubiläum feiern wird.
Geschichte besteht aus Geschichten
Oliver Kühn vom seit 1994 bestehenden «Theater Jetzt» in Sirnach skizzierte seine Ideen für das Festspiel. Motiv dafür ist eine real verbürgte Schlüsseldose, die die Schlüssel für alle Schlosstüren beinhaltet und somit auch zu den Geschichten und der Historie dahinter. Immer wenn neue Besitzer in das Schloss einziehen, kommen die ehemaligen (toten) BewohnerInnen zusammen und zelebrieren die Übergabe der Schlüssel in einer Art Festmahl – mit viel Musik, Tanz, Spektakel. Dabei werfen sie auch einen Blick zurück auf ihre Zeiten und lassen Anekdoten, Menschen, Skandale und Geheimnisse wieder aufleben. Gespielt wird das Stück von ausgebildeten Bühnenleuten und einem Ad-hoc-Ensemble aus Laien aller Alter aus Gottlieben und der Region. Oliver Kühn will, wie immer bei seinen Projekten, Geschichte in die Gegenwart nehmen. Theater kann eben Fiktion mit Realität vermischen und verbinden.
Dass dieses Musik-Theater im Innenhof des Schlosses vor realer Kulisse aufgeführt werden kann, ist eine grosse Chance und der Grosszügigkeit der Familie Huber-Gazdik zu verdanken Sie will, wie Leonie Huber betonte, dass Schloss und das Dorf wieder zusammenführen. Das Spiel soll gewissermassen auch der Start sein für das öffentliche Leben im Schloss, wie es die Besitzerfamilie nach den erforderlichen baulichen Massnahmen plant.
Verschiedene Formen der Mitwirkung
Diesen Sommer will Oliver Kühn mit der Recherche für das Stück beginnen. Dafür will er unter anderem für zwei Tage auf der Dorfwiese einen Pavillon aufstellen, in dem die Gottlieberinnen und Gottlieber ihre Geschichten (mit dem Schloss) erzählen können. So soll das Theater schliesslich aus der Bevölkerung «herauskommen», wie er sagt. Im nächsten Frühjahr soll eine erste Rohfassung des Festspiels vorliegen und die Bühnenplanung starten. Für den Herbst 2027 ist der Probenbeginn und das Casting der Mitspielenden aus Gottlieben und Umgebung geplant. «Kommt auf die Bühne!», rief Oliver Kühn schon jetzt dazu auf. Dabei sollen verschiedene Formen und (zeitliche) Intensitäten der Mitwirkung möglich sein. Im Winter 2027/28 folgen die ersten Bühnenproben mit den professionellen Bühnenleuten, im Juli 2028 dann der Bühnenbau und die Zusammenführung des Gesamtensembles.
Und die Kosten?
Für das Festspiel wird, basierend auf vergleichbaren Projekten des «Theater Jetzt», mit Kosten von insgesamt 395’000 Franken gerechnet. Daran beteiligen soll sich die Gemeinde mit einem Beitrag von 60’000 Franken. Die restlichen Kosten sollen durch die Eintritte der zwölf Vorstellungen (mit je 150 überdachten Plätzen), Eigenleistungen, Beiträge der öffentlich Hand (Lotteriefonds des Kantons usw.) sowie solche von Privaten, Sponsoren und Gönnern gedeckt werden. Für die übrigen Aktivitäten des Jahresprogramms sollen von der Gemeinde 10’000 Franken zur Verfügung gestellt werden, die über die Festwirtschaft bestenfalls erwirtschaftet werden und so als Reserve dienen können.
Fotos: M. Baecher, M. Biebel







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