Blog von M. Baecher

ganz ohne Knallerei

Gleich zwei Premieren gab’s an der diesjährigen 1. August-Feier: Erstmals spielte das Räuchlisberger Alphorntrio auf dem Boot von Carsten Hinrichsen, während es auf dem Seerhein seine sanften Kurven zog. Und erstmals gab es – wegen des generellen Verbots – auch kein privates Feuerwerk und damit keine Knallerei. Welch eine Wohltat – nicht nur für die Tiere! Und umso besser kam Hermann Stengele alias Udo Jürgens zur Geltung.

Abgesehen von diesen Premieren bewegte sich die Gottlieber 1. August-Feier in den ebenso bewährten wie beliebten Bahnen: Gestartet wurde um 16 Uhr mit der Festwirtschaft auf der Promenade und dem Kinderprogramm auf dem Schulhausplatz. Schon bald herrschte an beiden Orten ein reges Treiben. Während sich Kinder jeden Alters bestens betreut in der Hüpfburg austobten, liessen sie sich daneben beim Kinderschminken von Kerstin Stepper mit den verschiedensten Motiven schmücken.

Festwirtschaft lief auf Hochtouren

Je später der Nachmittag desto mehr Leute strömten auf die Promenade. Schon bald bildete sich bei der vom Einwohnerverein wiederum bestens organsierten und leistungsfähigen Festwirtschaft eine längere Schlange. Das kurze Anstehen ist aber auch immer wieder eine gute Gelegenheit, mit Bekannten und Unbekannten ins Gespräch zu kommen. Wer sich an den feinen Grilladen, den Vegi-Burgern oder den einmaligen Fischknusperli gütlich getan hatte, gönnte sich anschliessend am traditionellen, reich und vielfältig bestückten Kuchenstand der Gottlieber Frauen einen feinen Dessert. Und hinterher gab’s vielleicht auch noch ein Glacé. Hanna Köpper und Stefan Hummel, beide hier aufgewachsen und jetzt im Aargau wohnhaft, waren nämlich mit ihrem Glacé-Stand nach Gottlieben gekommen. Überhaupt ist der 1. August für viele ehemalige (Heimweh-)Gottlieberinnen und Gottlieber eine willkommene Gelegenheit, wieder einmal hierher zu kommen. Der 1. August ist eben – gerade in Gottlieben – in erster Linie ein Gemeinschaftserlebnis. Da begegnen sich alte Bekannte und Freunde ebenso wie erst kürzlich Hergezogene und zufällige Passanten.

Premiere: Alphorn-Klänge auf dem Seerhein

Zudem wird – auch ohne Feuerwerk – hier viel geboten: Um 18 Uhr startete der mit wiederum viel Beifall bedachte Flaggencorso mit vier, mit Gottlieber Wappen beflaggten Optimisten-Booten, zog auf dem Seerhein seine Runden und konnte dabei sein 10-Jahr-Jubiläum feiern. Carsten Hinrichsen und seine Familie hatten ihn 2016 erstmals organisiert. Ebenfalls ihm haben wir übrigens die Premiere mit dem Räuchlisberger Alphorntrio auf seinem Boot zu verdanken, das ab 20 Uhr auf dem Seerhein für eine ganz besondere Stimmung sorgte. Ernst Gmünder (der Vater von Thomas Gmünder, dem Dirigenten des Musikvereins Tägerwilen), Widli Müggler und Karl Svec haben sich in verdankenswerter Weise auf das Wagnis eingelassen und ernteten dafür grosse Bewunderung und immer von Neuem wohlverdienten Beifall.

Als wäre Udo Jürgens wieder da

Auch sonst war es ein musikalischer Abend, denn Hermann Stengele (Gesang) und Tobias Rädle (Piano) gaben unzählige Lieder von Udo Jürgens zum Besten, als würde der grossen Entertainer sie selber singen. Dass Udo Jürgens die letzten Jahre ja genau hier an dieser Seepromenade oft gewohnt hatte und auch hier vor Weihnachten 2014 plötzlich verstorben ist, gab dem Tribute-Konzert eine ganz besondere Note. Und als die Hits wie «Ich war noch niemals in New York», «Aber bitte mit Sahne» und «Griechischer Wein» an der Reihe waren, wurde nicht nur kräftig mitgesungen, sondern auch ausgelassen getanzt.

Ohne Gondelcorso kein 1. August

Nicht fehlen durfte schliesslich auch das älteste Element der 1. August-Feier in Gottlieben: der Gondelcorso auf dem Seerhein nach dem Einnachten. Zwar nahmen dieses Jahr weniger Boote daran teil, weil sie wegen des rekordtiefen Wasserstandes entweder gar nie eingewassert werden konnten oder bereits wieder ausgewassert werden mussten. Zudem fehlte dieses Jahr wegen einer anderen Verpflichtung auch das Drachenboot des Kanu-Clubs Konstanz, das sonst immer das Highlight des Corsos ist. Und auch die Feuerschalen auf der Seepromenade durften dieses Jahr nicht entfacht werden. Aber trotzdem ergab sich insgesamt ein stimmungsvolles Bild.

Ein herzliches Dankeschön

Es ist für ein so kleines Dorfes wie Gottlieben eine grossartige Leistung, dass sich jedes Jahr die zahlreichen Helferinnen und Helfer finden lassen, die diesen Anlass erst möglich machen, darunter auch viele, die sich seit Jahren dafür engagieren. Ihnen allen gebührt ein ganz herzlicher Dank – allen voran auch Präsidentin Ursula Gerster seitens des Einwohnervereins und Gemeinderat Thomas Schürpf seitens der Gemeinde. Der 1. August ist eben in jeder Hinsicht eine Gemeinschaftsleistung – und ein Gemeinschaftserlebnis.

Fotos: M. Baecher